Innovation im Gerichtssaal: Sachsen-Anhalt testet KI-gestützte Aufmerksamkeitsanalyse für das Ehrenamt

Das Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz gibt bekannt, dass Sachsen-Anhalt als erstes Bundesland ab dem 1. September 2026 das Pilotprojekt „Smart-Bench“ startet. Ziel des Projekts ist es, die Qualität der Rechtsprechung durch den Einsatz moderner Wearable-Technologie bei ehrenamtlichen Richterinnen und Richtern (Schöffen) weiter zu steigern.

Hintergrund der Initiative ist die zunehmende Dauer komplexer Strafprozesse. Um eine lückenlose Konzentration während mehrstündiger Beweisaufnahmen zu gewährleisten, werden alle Schöffinnen und Schöffen an den Standorten Magdeburg und Halle versuchsweise mit dem sogenannten „Justitia-Band“ ausgestattet.

Funktionsweise des „Justitia-Bands“

Das unauffällige, unter der Kleidung getragene Armband misst mittels diskreter Sensoren die Sauerstoffsättigung, den Puls sowie die Mikrominiatur-Bewegungen der Augenlider (Lidschlussfrequenz). Die Daten werden in Echtzeit durch eine verschlüsselte Bluetooth-Verbindung an das Richter-Tablett übertragen.

Sinkt die Aufmerksamkeitskurve eines Schöffen unter einen kritischen Schwellenwert – etwa bei langwierigen Verlesungen von Urkunden oder statistischen Gutachten – gibt das Band einen sanften, für Dritte nicht wahrnehmbaren Vibrationsimpuls („Wake-up-Pulse“) ab.

Vorteile für die Rechtsprechung

Justizministerin Franziska Weidinger erklärt hierzu: „Die Bürgerinnen und Bürger haben Anspruch auf Richter, die zu jedem Zeitpunkt des Prozesses zu 100 Prozent präsent sind. Das Justitia-Band ist kein Kontrollinstrument, sondern eine digitale Assistenz, die unser ehrenamtliches Rückgrat der Justiz in besonders fordernden Sitzungen unterstützt.“

Zusatzfunktion: Der „Emotions-Filter“

In einer zweiten Phase des Pilotprojekts soll zudem ein „Objektivitäts-Check“ getestet werden. Dabei erkennt die Sensorik erhöhte Stresspegel bei emotional aufwühlenden Zeugenaussagen. In solchen Fällen leuchtet am Richtertisch eine kleine blaue LED auf, die dem Vorsitzenden signalisiert, eine kurze „Reflexionspause“ von fünf Minuten einzulegen, um die notwendige richterliche Distanz zu wahren.

Einführung und Schulung

Der Verband der ehrenamtlichen Richterinnen und Richter Sachsen-Anhalt (VER-SAT) wird gebeten, die Verteilung der Geräte an seine Mitglieder zu koordinieren. Die erste Schulung zur Kalibrierung der Bänder findet am kommenden Samstag in den Räumlichkeiten des Landgerichts statt. Eine Teilnahme ist für alle aktiven Schöffen im Pilotbezirk verpflichtend.

Um die Akzeptanz zu erhöhen, ist das „Justitia-Band“ in den Farben der Justiz (dunkelblau) oder in dezentem „Sachsen-Anhalt-Grau“ erhältlich.


Die ausführliche Pressemeldung (im Namen des Justizministeriums): Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz des Landes Sachsen-Anhalt Pressemitteilung Nr. 04/01-2026